Facebooking.

Nun – jetzt bin ich auch dabei. Mal aus reiner Neugier gestartet und angemeldet. Bisher habe ich mich ja dieser „Vernetzungswelle“ ziemlich entzogen, so dümpelt auch mein xing Konto vor sich hin und wird nur alle heilige Zeiten mal entstaubt.
Doch die Artikel im „thegap“ Magazin haben mich nun veranlasst, mich diesem kollektiven Wahn anzuschliessen. Tatsächlich findet gleich bei der Anmeldung eine Suche nach anderen „Bekannten“ und „Freunden“ statt – schon ist man „mittendrin statt nur dabei“ (© DSF). Plötzlich auftretende Bedenken, wie zB „woher hat das Teil diese Infos?“, schieben sich automatisch in den Hintergrund. Die Bitte, dem System doch den Zugriff zu seinem Mail zu erlauben, habe ich gleich mal abgelehnt. Wenn schon Vorschläge, dann bitte suche ich mir selber aus, wen und was ich bei mir auf der Freundesliste haben möchte. Da muss nicht meine Kontaktsammlung durchforstet werden.
Tatsächlich war ich doch überrascht, wie viele Personen aus meinem Umfeld hier bereits registriert sind und sich schon ausstauschen. Erschreckend? Vielleicht… da ist nichts mit der gemütlichen business-stylehaften-Networking-Plattform wie xing – nein, da werden Bilder, Links und andere Webinhalte in einer Dynamik ausgetauscht, die an einen wilden Bazar erinnert.
Im Hintergrund wird geloggt, werden Daten und ihre Ströme gesammelt und ausgewertet. Nich sofort aber gleich passen sich die Werbeeinblendungen im Frame auf der Seite an, bin ich als Zielperson für Anzeigen identifiziert, klassifiziert und einsortiert. Nicht nur das – auch verkommerzialisiert. Auch wenn das so „nebenbei“ geschieht, sich anschleicht, wie eine Katze an die ahnungslose Maus… es ist auf einmal da.
Andererseits – da finde ich meinen Lektor von der Uni, der mich bei meiner Diplomarbeit betreute und nun in Australien weilt. Da sind die Kollegen aus der Fachhochschule, die ich teilweise nun ein Jahr nicht mehr gesehen habe. Da sind Freundinnen, die ich vor fast schon vergessenen Zeitaltern kennenlernte und Arbeitskollegen, die zwei Zimmer weiter sitzen. Die Dynamik der News, die Links und Artikel, die Empfehlungen – nun ja, wie ein Blog, nur schneller. Statt Beitragsstunden sind es Sekunden, die ein „Daumen hoch“ oder „Gefällt mir“ benötigen.
Also gebe ich mir mal den Zirkus und wenn der Direktor zu unangenehm, die Beobachtung zu intensiv oder die vielen Notifications zu nervig werden, dann mache ich einen Retro und schreibe das, was ich mitteilen möchte, wieder hier in ein Blog. Da muss auch keiner ein „Freund“ sein, damit er oder sie lesen kann. Das ist doch schon wieder was, nicht?

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