Projektmanagementsünde 6 – Delivery Streams

Ein IT Projekt wird normalerweise nicht um seiner selbst willen umgesetzt, sondern bedarf immer eines Inputs bzw. einer Zielsetzung von aussen. „Aussen“ meint in diesem Fall mindestens einen Fachbereich (Legal, Sales, Marketing, Customer Service, etc) und dessen Anforderungen, die mit der Projektimplementierung verbessert/eingeführt/realisiert werden. Bei einem größeren Projekt ist es selbstverständlich, dass mehrere Fachbereiche mitspielen und mit unterschiedlichsten Standpunkten und Definitionen von Zielen kommen und diese umgesetzt sehen wollen.

Dabei nimmt die IT einen besonderen Stellenwert ein. Einerseits hat sie selbst Auflagen (z.B. Sicherheitsrichtlinien) und Anforderungen (Wartbarkeit, Performance, Testbarkeit etc.), andererseits wird der IT die Entscheidung über die Umsetzung der verschiedensten Anforderungen aufgebürdet. Diese Bürde bedingt, dass der Projektleiter immer mehr zum Schiedsrichter zwischen den Fachbereichen wird und aus dem Schiedsrichter wird sehr schnell ein Spielball.

Politische Entscheidungen und strategische Allianzen enden nicht, wenn eine Tür zu einem Projektmeeting geschlossen wird. Schlimmer wird es nur, wenn das First-Line Management auch noch unterschiedliche Erwartungen bezüglich des Projektziels hat. Denn dann wird auch der Leitungsausschuss zu einem Haifischbecken für den Projektmanager bis hin zu der Tatsache, dass er Entscheidungen für das Unternehmen treffen soll (siehe einen der kommenden Punkte bezüglich Management).

Aber zurück zu unseren involvierten Fachbereichen – genau diejenigen, die ja keine Deadlines oder Meilensteine kennen (wollen). Wenn sich nun diese auf ein Projektziel einigen sollen oder das Projektziel definieren, kommt so ziemlich immer das selbe raus:

Versuche nie, es allen Fachbereichen frei zu lassen, was sie von deinem Projekt zu erwarten haben. Du bekommst niemals einen Scope. Alles ist immer wichtig und egal, wann der Fachbereich fertig wird, die IT ist sicher schuld, dass es nicht so umgesetzt wurde, wie angefordert. Es ist auch egal, wie die Anforderung definiert wurden, das Ergebnis ist nicht zufriedenstellen.

Was sehen wir hier? Erstens gibt es kein festgeschriebenes Ziel. Schwierig für jeden im Projekt, denn wonach ausrichten, wenn der wichtigste Leuchtturm fehlt? Zweitens (hängt sehr stark mit den Deadlines zusammen) kommt es immer zu Verzögerungen. Nachdem nun die IT die Anforderungen implementiert, beissen sie als letzten die Hunde. Klarerweise kommt dann immer die Fragestellung nach den Aufwänden der Umsetzung, aber nachdem die Requirements nicht definiert sind, können auch die Schätzungen nicht seriös abgegeben werden. Henne-Ei Problem somit.

Egal, schuld ist am Ende sowieso der Projektleiter, der zwischen den einzelnen Anforderungen, den politischen Spielchen der Fachbereiche und dem Druck der Umsetzungsziele zermalmt wird. Gibt es ein besseres Mittel zur Schlaflosigkeit?

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