Der Name des Windes

von Patrick Rothfuss [link zu amazon.de].

Bevor es hier um irgendeine Beschreibung, Beurteilung oder Info geht, werfen wir mal einen Blick auf die klassisch vorherrschende Zutatenliste für Fantasy Bestseller Schinken:

– Ein ausserordenlich begabter Knabe, vorzugsweise Vollwaise, entspricht von Herkunft nicht gerade dem Standard der zu beschreibenden Welt: check, vorhanden.

– Magie wird praktiziert und in Schulen gelehrt, verschiedene Spezialisierungen vorhanden, Ausübung durch die Erlernung von Namen: check, vorhanden.

– Junge verliebt sich in unerreichbares Mädchen und bleibt mindestens bis zum ersten Kuss treu und keusch: check, vorhanden.

– Dunkel Bruderschaft tötet quer übers Land verstreut, steht im Zusammenhang mit Familie des Helden: check, vorhanden.

– Erzählung ist in eine Rahmenhandlung gepackt und wird durch aktuelle Ereignisse durchbrochen: check, vorhanden.

Also – klassische Zutaten ohne eine weltbewegende Neuerung. Der Inhalt bewegt sich genau in diesem Rahmen: Der auserwählte Held gehört einer Theatergruppe an, die durch das Land reist und Vorstellungen gibt. Ein Zauberer schließt sich der Truppe an, erkennt das Potential des Jünglings und rät ihm zur Ausbildung auf der Universität. Bei einem Stopp wird die gesamte Gruppe inklusive der Eltern des Jungen von einer dunklen, geheimnisvollen Bande getötet und er schlägt sich als Bettler in der nächsten Stadt durchs Leben. Erreicht nach Irrwegen die Universität, eckt bei den Professoren an und verliebt sich. Besteht Abenteuer und lernt Zaubersprüche sowie die Beherrschung von Magie. Nebenbei erringt er eine goldene Nadel im Lautenspiel und legt sich mit mächtigen Mitstudenten an.

Klingt nicht besonders neu oder spannend, oder? Auf den Punkt gebracht: ist es aber. Seit Abercrombies Kriegsklingen hat mich kein anders Fantasy Buch so gefesselt, wie dieser erste Band und Einstieg von Rothfuss. Detailreich und mit einem Zwinkern im richtigen Moment treibt er die Geschichte voran, kommt der Held mal in ruhige Fahrwasser kann sich der Leser auf Feuerwerk an Wendungen und Ereignissen auf den nächsten Seiten gefasst machen. Die Lebensgeschichte einer Legende wird hier auf achthundert Seiten ausgebreitet und dies ist nur der Anfang. Kvothe, Magier, Krieger und Musiker erzählt seine Erlebnisse einem Chronisten und gewährt ihm drei Tage, um die Gegenwart zu erreichen. Dieser Band enthält „nur“ die Zeit des ersten Tages… eine Zeitspanne, die von glücklicher Kindheit zu rebellischen Studententum auf der Universität reicht. Eine Spanne, gefüllt mit Auf- und Abs, Reichtum (monetär und geistig) und Armut, mit prall erfülltem Herzen, das zu zerspringen droht und tiefster Einsamkeit.

Wieder mal überschlagen sich die Rezensionen mit Tolkien Vergleichen, wieder mal hält dieser einfach nicht Stand. Dennoch kann sich „Der Name des Windes“ insofern behaupten, dass dem Leser eine gute, spannende Geschichte geboten wird, die nach mehr schreit. Gute Unterhaltung auf hohem Niveau. Die einzige Befürchtung meinerseits ist die der übermäßigen Länge: sind die „Klingen“ Romane von Aberchrombie bereits beim 5ten Band, fand ich bereits den dritten schon zu lange. So steht zu befürchten, dass auch hier die pure Seitenanzahl den gut eingeführten Spannungsbogen erschlaffen lässt, denn bereits der zweite Tag beansprucht 2 weitere Bände („Die Furcht des Weisen Teil1 &2“) mit insgesamt über 1300 Seiten. Aber vielleicht täusche ich mich, doch die jugendhaften Zeiten mit durchlesenen Nächten und seitenfressenden Studentenzeitstunden sind vorbei und mir ist es lieber, auf 500 Seiten knapp und gut unterhalten zu werden, als mich durch 800 Seiten zu quälen, weil der Autor auf den Erfolg des ersten Bandes die Geschichte nun über mehrere Bände strecken und ziehen muss.

Aber ich werde die Fortsetzungen mal im Auge behalten und bei Gelegenheit und entsprechenden Leserfeedback zugreifen. Der erste Band ist jedenfalls eine Empfehlung. High Fantasy in guter Qualität – solide Handarbeit eben!

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3 Gedanken zu “Der Name des Windes

  1. hi spanksen!

    absolut! da gibts mittlerweile ein paar romanreihen, die das selbe look&feel haben. doch diese covergestaltungen kommen und gehen.

    ich persönlich finde es schade, dass die pratchett serie nun die farbenfrohen „wimmelbilder“ verloren hat.

    das lied der dunkelheit hast du schon mal erwähnt, das liegt auch irgendwo rum (nach dem umzug nicht mehr so leicht zu finden) und will mal gelesen werden.

    grüße auf die insel,
    h.

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