Die Bücherdiebin

von Markus Zusak [link zu amazon.de].

Ein ungewöhnliches Buch zu einem Thema, das bereits viele Worte und Geschichten verloren hat.  Der ungewöhnliche Blickwinkel, die absatzgeprägte Gestaltung und Wortspiele, die wie Sonnenstrahlen in der dunklen Zeit des NS Regimes leuchten.

Eingebettet in eine Ich Erzählung aus der Sicht des Todes, erlebt die neunjährige Liesel Memminger bei München die Wucht der Kriegsjahre als heimliche Hauptperson. Die Geschichte beginnt mit dem Tod ihres Bruders und beim Begräbnis klaut sie ein Buch. Ein Buch, das ihr einen Weg zeigt, in die Macht von Worten und Geschichten abzutauchen. So lernt sie lesen, den Tod an ihrer Seite, zwischen zwei Buchdeckeln gepresst und dennoch irgendwo vertraut.

Die Rolle des personifizierten Todes ist das Aufspannen eines Rahmens, einer Zeitlinie, geprägt von farbigen Stimmungen und dem Einsammeln von Seelen nach dem Ableben der Menschen. Dieser Tod ist nicht die grauenvolle Bestie sondern oftmals herbeigesehnte Erlösung aus dem Leid. Gewiss selbst nicht ohne Verständnis, ist es aber das kleine Mädchen Liesel, das die Aufmerksamkeit des Gevatters auf sich zieht, eine Beachtung, die immer wieder Schnittstellen bietet, an denen sich beide wieder einmal näherkommen.

Wie könnte es anders sein, ist die Erzählung geprägt von einer traurigen Melancholie, einer Dunkelheit, die sich durch geschwärzte Fensterscheiben bei den Bombenangriffen zeigt, aber schon lange in den Herzen der Protagonisten vorhanden ist. Aufgebrochen wird diese düstere Stimmung von den teils unschuldigen Kindheitserlebnissen und dem manchmal versteckt wütenden Aufbegehren gegen die Zustände der Zeit.

Von der Rebellion durch das Verstecken eines Juden bis hin zu dem Buben, der sich als Jesse Owens fühlt und am Sportplatz brilliert bis hin zu den Buchdiebstählen von Liesel sind es die kleinen Geschehnisse, die kleinen Steinchen, die in diesem Buch eine Tragweite bekommen und eine Dichte, die mich als Leser berührt zurück ließ.

Durch viele Abschnitte gegliedert und so manchen Vorgriff und Rückblick wirkt die Erzählung scheinbar zerfleddert, ich fand diese Aufteilung gelungen und als Stilmittel absolut passend eingesetzt. Der Autor selbst hat deutsche und österreichische Wurzeln und schrieb das Buch in Australien, seiner Heimat. Aber was für ein Kompliment seines Wiener Vaters, der die deutsche Fassung besser als die ohnehin ausgezeichnete englische Variante fand! Hier haben Übersetzer und Verlag großartige Arbeit geleistet und tatsächlich dachte ich bis zum Anhang, es mit einem deutschsprachigem Original zu tun zu haben.

Dieses Buch sollte in den Kanon der Bücher aufgenommen werden, die sich mit dem Thema des NS Regimes und der Judenverfolgung beschäftigen und ich würde mich freuen, wenn Jugendliche diesen ungewöhnlichen Einblick in eine Zeit bekommen, die für unsere Generationen schon so weit weg zu sein scheint.

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2 Gedanken zu “Die Bücherdiebin

  1. hi spanksen!

    danke. dieses buch hat tatsächlich einen tieferen eindruck hinterlassen, als ich erwartet hätte. wenn du es irgendwo mal als taschenbuch siehst, kleiner tipp am rande: es gibt eine version mit „bonusmaterial“ (interview mit hr. zusak und unterrichtsmaterialen für schulklassen). wenn’s im abverkauf ist, sowieso mitnehmen. und sei es nur zum verschenken!

    grüße in den norden,
    h.

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