Die Mädels aus der Anstalt

Ja, genau, es geht um den Film „Sucker Punch“. Bei Amazon [link] gehen die Kundenrezensionen so weit auseinander, das ich mir kein Bild von dem Werk machen konnte. Zwei Faktoren waren es, die dann die DVD in meinen Player landen ließen: Zack Snyder („Watchmen“ [link: Top Comic Verfilmungen] und „300“) und die bekannte abgedrehte Geschichte einer Mädchengang, die durch fantastische Abenteuer einer Anstalt entfliehen wollen.

Die Verbindung von Vorstellungskraft und Realität mit verbindenden Elementen, wie den Auswirkungen der Geschichte auf die jeweils andere Ebene, war bereits der essentielle Bestandteil von „Pans Labyrinth“ [link: Pans Labyrinth].

„Sucker Punch“ legt diese Erzählebenen etwas anders an: da ist zunächst die in düsteren Farben gehaltene „Wirklichkeit“ in der die Hauptfigur des Mordes an ihrer Schwester bezichtigt (so habe ich das zumindest in Erinnerung) und in eine Irrenanstalt eingewiesen wird. Dort findet sie sich in einer Scheinwelt wieder, die bunt und schrill an „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ angelehnt scheint und „Babydoll“ (so der Name der Hauptperson in dieser Welt) ist der neue Star in einem Bordell und soll an einen sogenannten „Highroller“ verkauft werden. In dieser Welt tanzt Babydoll und während des Tanzes entflieht sie mit vier Freundinnen in phantastische Abenteuer, um die notwendigen Gegenstände zu einer erfolgreichen Flucht zusammen zu sammeln. Diese dritte Schicht der Geschichte scheint aus Computerspielen zu stammen, sowohl was die Gestaltung als auch den Inhalt betrifft: so werden typische Game Szenarios zum Schauplatz: Drachen in einer mittelalterlichen Fantasy Welt erlegen, einen Kurier in einem „Weltkriegsshooterdrama“ vor seinem Ziel abfangen, als Geheimagentinnen eine Bombe in einem Zug entschärfen usw.

Verfolgt man die Rezensionen auf Amazon, so kristallisieren sich zwei Hauptgruppen an Zusehern heraus: einerseits diejenigen, die so gar nichts mit dem Film anfangen können und andererseits diejenigen, die versuchen die Geschehnisse und Ebenen zu interpretieren.

Meiner Ansicht nach ist dieser Film ein opulentes graphisches Spektakel (wie „300“) mit einer Geschichte, die ihr Potential nicht ganz entfalten kann. Zu wenig erzählerische Tiefe, zu sehr „glattgebügelte“ Mainstream Charaktere (obwohl die Idee mit den Mädchen, die auch aus einer Anime Verfilmung entsprungen sein könnten, ganz gelungen ist) und zu wenig „Dichte“ im Sinne eines aufbauenden Spannungsbogen. Irgendwo in der Mitte verliert mich der Film ein wenig um erst am Ende durch erwartete aber gut inszenierte Wendungen wieder Fahrt auf zu nehmen. Ich mochte den Film, der nicht ganz die Eindringlichkeit von „Pans Labyrinth“ erreicht (und auch nicht dessen fast bereits unangemessene Gewaltdarstellung) sondern auf seine eigene Art sowohl Interpretationsspielraum zulässt als auch eine fantastische Geschichte erzählt.

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2 Gedanken zu “Die Mädels aus der Anstalt

  1. Ich fand Pans Layrinth ganz großartig, und die Gewaltdarstellung aus alle Fälle passender als die Computerspiel Einlagen in Sucker Punch, da hätte man mehr draus machen können.

  2. Hi Spanksen!

    Mir war das in „Pans Labyrinth“ das eine oder andere Mal zu übertrieben (mir schien es, dass brutale Szenen nur aus Provokation bzw. um sich selber willen eingesetzt wurden).

    Dass „Sucker Punch“ jede Menge Potential liegen lässt, erwähnte ich ja schon. Sowohl von der Dichte als auch von der Intensität der Geschichte. Da war „Watchmen“ ein ganz anderes Kaliber (gut, mit der Vorlage auch schwierig narrativ zu vermasseln).

    Liebe Grüße
    h.

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