The Good Wife

Eine Fernsehserie mit diesem Titel? Aber was denn? Klingt doch nach einer Reminiszenz an die gute alte Zeit, in der „die gute Frau“ ein Synonym für die Hausfrau war. Die zu Hause blieb und den Alltag schupfte, sich um die Kinder zu kümmern hatte und den schwer gestressten Mann nach dem harten Arbeitstag zu verwöhnen hatte.  Zumindest der Hoax um einen „Housekeeping Monthly“ Artikel verwendet diese stereotypische Ansichten in einem gefälschten Archivblatt [link] – dennoch beruht dieses Klischee wie alle anderen auf einer vergangenen Verhaltensweise, die derzeit auch in der Serie „Mad Men“ [link zur Webseite von AMC] gezeigt werden.

Haben also die Rollenbilder der 50er und 60er Jahre wieder Konjunktur? Seht sich die heutige Gesellschaft zurück in Zeiten „in denen alles besser war„? Zumindest „The Good Wife“ schlägt teilweise in eine andere Kerbe: Ein bekannter Staatsanwalt tritt nach dem Publikwerden von Sexaffairen mit Prostituierten und Korruptionsverdacht zurück und muss in den Knast. Seine Frau, die ihren Job als Rechtsanwältin zugunsten seiner Karriere aufgegeben hat, nimmt wieder ihre Tätigkeit auf und vertritt diverse Fälle vor Gericht. Unterstützt wird sie von einer Privatdetektivin, die vormals im Büro der Staatsanwaltschaft arbeitete und in manchen Verhandlungsfällen durch Hinweise ihres eingesperrten Mannes.

Soweit so gut, fast möge man meinen, eine klassische amerikanische Fernsehserie. Verstärkt wird dies durch US-Tugenden, wie der, das sich Alicia Florrick (die Hauptdarstellerin) zwar tief enttäuscht von den Geschehnissen um ihren Mann zeigt, ihm aber weiter die Treue hält. Mich als europäischen Zuseher erinnert dies stark an die Affäre um Bill Clinton, dessen Frau nach seinem Abgang quasi an seiner Statt die politische Rolle und damit die politische Macht übernahm. Des weiteren kommt ganz stark das US Justizsystem zum Tragen, was ja in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um eine Anwaltsserie handelt, kein Wunder ist. Auch hier sind die Unterschiede zu unserem Rechtsverständnis oftmals deutlich zu sehen und zu verfolgen.

Beruht der Erfolg (mittlerweile hat CBS die dritte Staffel beauftragt) also dem anfangs erwähnten Sehnen nach althergebrachten Mustern oder gibt es noch weitere Aspekte, die eher dem TV tauglichen Storytelling zuzuschreiben sind? Ja, die gibt es. In der Tat kann jede Folge wie ein Krimi gesehen werden: Alicia Florrick übernimmt einen Fall und gemeinsam mit der Ermittlerin Kalinda Sharma aufgerollt und untersucht wird. Dabei gibt es Verdächtige, Beschuldigte, Angeklagte und so manches Versäumnis der Polizeibeamten, die den Tatort gesichert haben. Natürlich löst sich das Ganze am Ende wie bei einem Columbo Fall auf, nur eben diesmal im Gerichtssaal und nicht in der Villa des Bösewichts.

Weitere Handlungsstränge, die sich quer über die Einzelfolgen ziehen, sind die Verhandlungen rund um Peter Florrick, den gefallenen Staatsanwalt. Auch die beiden Kinder der beiden versuchen sich im Aufdecken von gefälschtem Beweismaterial, das ihren Vater belasten soll. Interessant wird auch die Konkurrenzsituation mit einem Mitarbeiter in der Anwaltskanzlei, mit dem sich Alicia im Wettstreit um die eine freie Stelle befindet bzw. die Auflösung der Beziehung zu ihrem jetzigen Chef und damaligen Kommilitonen auf der Universität, mit dem Alicia ein gewisses Grundvertrauen verbindet.

Diese Themen machen die ersten 23 Folgen der Staffel 1 aus und nach den ersten beiden Dritteln darf durchaus gesagt werden, dass Ally McBeal eine ernstere Nachfolgerin gefunden hat, die sich zumindest teilweise aus den Frauenklischees befreien kann und als Hauptperson eigenständig die Serie trägt.

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