Nachschub aus dem Magazin

Zeitungen lese ich fast nur noch online, Radio höre ich grad mal am Morgen und Bücher sind in der herkömmlichen Form für mich unersetzbar. Doch für die SBahnfahrten zur Arbeit und wieder zurück, für das Blättern im Flugzeug Richtung Süden, Strand und Meer bleiben die Magazine die erste Wahl. Folgenden sind mir da am liebsten:

Datum

Das „Datum“ mit dem Untertitel „Seiten der Zeit“ ist ein österreichisches Monatsmagazin, das sich mit Politik, Kultur und den heimischen Absonderlichkeiten wie Kunst[szenen] und Interviews mit mehr oder weniger bekannten Personen beschäftigt. Dabei verlässt das „Datum“ die ausgetretenen Wege, die so gerne von den populären und massen-heischenden Formaten wie das „Format“ oder „News“ Woche für Woche in Anspruch genommen werden und eigentlich Altpapier Container Füllmaterial sind. Im Gegensatz zu den landläufigen Meinungen, die auf Vorurteilen und Kronejournalismus geprägt sind, sucht sich das Datum provokante Themen, die jedoch gut recherchiert und sprachlich hervorragend aufbereitet werden. Dabei werden immer wieder die Grenzen aufgezeigt, wenn z.B. Verantwortliche aus Vereinen, Firmen und Unternehmen nicht zu erreichen sind, wenn Stellungnahmen in Allgemeinplätzen von Pressemitteilungen enden. Das Datum macht vieles gut, manches noch viel besser – selbst die Rubrik „Alter Text“ enthält immer einen kritischen Bezug zum Tagesgeschehen aus der ungewöhnlichen Perspektive längst vergangener Tage. Selbstbewusst werden die Ausgaben der Vormonate auf der Webseite den interessierten Publikum angeboten, zum Probelesen, Durchstöbern und Perlentauchen.

Fleisch

Wie eine Begegnung mit einem Ausserirdischen verlief mein erstes Kennenlernen von „Fleisch„. Von „wer bist denn du?“ über „gibt’s dich wirklich?“ zu „ernstgemeintes magazin?“ erstreckten sich die Gedanken beim Durchblättern in der Trafik meines Vertrauens. Und tatsächlich ist „Fleisch“ anders – ein neues Format mit eigener Identität, die soviel Kreativität mitbringt, dass sie Nebenprodukte wie „Gier“ und „Wald“ hervorbringt. All diese Ausprägungen wollen vieles sein, nur nicht eins: langweilig und gewöhnlich. In unregelmäßigen Abständen taucht eines der Teile auf und wirbt um Kundschaft: mit ungewöhnlichen Covern (anstelle von Fleisch mal Gemüse, gesponsert von… McDonalds!) und mit dem Anspruch, die Konvention des letztens Hefts zu durchbrechen. Auch wenn es die Konvention nicht gibt, da die permanente Änderung eine solche nicht gestattet. Gefüllt ist Fleisch immer mit Lifestyle, der keiner sein mag, mit Kunst, die von vielen als solche nicht erkannt wird, mit Politik, die mit Politikern nichts am Hut hat. Merkt man es? Schwierig zu beschrieben, bin ich doch begeistert und freue mich fast ein wenig diebisch darüber, dass so manche Verkäuferin ungläubig nochmals nachfragt: „Was meinten Sie? Fleisch soll das heißen?“

Weave

Abseits von diesen unkonventionellen Drucken, beschäftigt sich „Weave“ mit Onlinewelten. Nicht unbedingt mit Spielen aber mit den technischen Fortschritten und Errungenschaften im Webbereich. Als Schwestermagazin von „Page„, das sich klar an Webdesigner und Webentwickler richtet, landet im Weave alles andere: Spannende Projekte von der Konzeption zur Realisierung, Tools und deren Anwendung, Code Schnippsel und Design Fragmente. Experimentierfreudig und manchmal am Grat zur Kunst kommen Menschen fast aus allen Kontinenten zu Wort und berichten von Erfolgen, Problemen und Lösungen. Von „Lifehacking“ über „Menschliche Muskelbewegungen erzeugen Schwingungen, die eigentlich Musik sind“ bis hin zu „Projekt Jägermeister Webseite mit Rich-Media Anwendung“ ist das Feld breit gestreut. Das fasziniert mich, der ich weder Programmierer noch User Interaction Experte noch Innovationsmanager bin, aber all diese Bereiche aus der IT spannend finde. Einziger Wermutstropfen, der mich immer wieder zögern lässt, wenn die neueste Ausgabe in der Hand halte, ist der doch hohe Preis von (aus dem Gedächnis geschrieben) über 7€ – das ist schon fast der Betrag, den ich für ein Taschenbuch auf den Tresen lege. Das ist dann aber zu diesem Thema veraltet und bei weiten nicht mehr aktuell, das aber genau der Punkt von „Weave“ ist: am Puls der Zeit die neuen Strömungen kanalisieren und thematisieren.

brand eins

Der Klassiker aus Studienzeiten, für den ich Hrn. A.S. immer noch dankbar bin, dass er eben dieses „brand eins“ mit in die Vorlesung brachte. Das Wirtschaftsmagazin, das es eigentlich nicht geben dürfte und das weniger die Wirtschaft als vielmehr die Menschen hinter den Produkten und Unternehmen auf die Bühne holt. Wer ein klassisches Format erwartet, in dem Börsenbewegungen analysiert werden und der nächste Fond-hype in mediale Höhen gejubelt wird, ist mit dem Magazin völlig falsch. Wer hingegen wissen möchte, was der „Manufactum“ Gründer heutzutage macht und warum ihn die nachhaltige Bewirtschaftung von Agrarbetrieben wichtig ist und woher der Antrieb für langlebige Lösungen stammt, ist goldrichtig. Ein Goldstück finde ich in beinahe jeder Ausgabe: das sind Geschichten und Gedanken von Personen, die von innerem Feuer getrieben, ihre Visionen verwirklichen. Oder wie es ein anderer Freund Ch.H. mal sagte „They don’t live the dream of another man – they live their own dream.“ Ist es tatsächlich unmöglich, ein Business mit gestrickten Babyschuhen zu machen? Oder mit einer Gindestillerie im Schwarzwald? Aussergewöhnliches Schaffen, aus dem Alltag heraus von Personen, die alltäglich scheinen und damit zeigen, dass es immer einen Weg gibt. Das ist immer wieder ein Ansporn, mir ein Exemplar mit zu nehmen und diese dann auch zu Hause zu archivieren. Denn irgendwann suche ich mal den einen Text von… na du weisst schon wen… dem einen, der… verflixt, wo ist es denn? Für alle anderen gibt es auch das Online Archiv auf der Webseite, die alle Artikel, die jemals gedruckt wurden umfasst. Viel Spass beim Schmökern.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s