Die Furcht des Weisen in 2 Teilen

Nach der Begeisterung für den ersten Tag, den Patrick Rothfuss seinem Helden Kvothe im Roman „Der Name des Windes“ erleben lässt und während dessen der namenlose Chronist seine Feder nur allzuoft ins Fäßchen taucht, war klar: sobald das Thema weitergeht, müssen die Bücher her. Ende Feber war es dann soweit, auch der zweite Teil des zweiten Teils war im Buchhandel erhältlich. Nach vielen Stunden des Eintauchens in diese fantastische Welt mit dem traurigen Nebengeschmack des gestürzten Heldens kann ich nun ein Fazit ziehen.

# Der grandiose Beginn

„Der Name des Windes“ war wie schon geschrieben, ein gutes Buch, eine sehr gelungene Mischung aus den bekannten Versatzstücken von High-Fantasy Romanen. Nichts weltbewegend Neues aber eine ausgezeichnete Variation eines Mannes, der sein Handwerk versteht. Die Rahmenhandlung, in der der Held einem Schreiber seine Biographie darlegt, hin und wieder unterbrochen durch Jetzt-Zeit Momente ist ein Kniff, der dem Spannungsbogen einen Rahmen vorgibt, auch wenn von Anfang an klar ist, dass ein Ende in weiter Ferne liegt. Denn so kann eine Lebensgeschichte erzählt werden, ohne am Abend des ersten Tages enden zu müssen.

# Das Drama nimmt seinen Lauf

Wie auch im Beitrag zu Teil 1 erwähnt, liegt die Befürchtung nahe, dass die Seitenanzahlen explodieren. Was wiederrum nicht immer im Sinne einer knackig gut durchgezogenen Geschichte  sein kann. Schon die Tatsache, dass Teil 2 in weitere 2 Teile geteilt werden muss, ist ein Indiz für leere Meter.. ähm Worte. Aber erstmal die Formalkriterien betrachten. Bei der Teilung fällt sofort auf, dass der erste Part von „Die Furcht des Weisen“ einen Umfang von 860 Seiten aufweist und der direkte Nachkomme mit nicht mal 530 bedruckten Blättern schon deutlich weniger dick im Regal steht. Verstärkt wird der Eindruck, dass hier der p.t. Leser Käufer zweimal zur Kassa gebeten wird, dadurch, dass beide die selbe Zahl mit Euro Zeichen aufweisen. Immerhin wird in Foren und Amazon Kommentaren darauf hingewiesen, dass a) die Teilung des roten Meeres schriftstellerischen Schöpfwerks im Einklang mit dem Autor selbst statt fand und b) der Verlag ja doch immerhin die beiden Bände zeitnahe veröffentlichte (ein Jahr zappeln lassen, kann sich heute scheinbar nur noch ein gewisser Herr Jackson leisten, der irgendwie auch mit fantastischer Literatur zu kämpfen hat). Klingt vielleicht nach ein wenig Trost, heischt ein wenig nach Verständnis aber dennoch bliebt der schale Nachgeschmack.

# Teil Eins von Zwei

Inhaltlich geht es einfach dort weiter, wo zuvor aufgehört wurde. Selbes Setting, selbe Personen, selbe Geschmacksrichtung in der Suppe. Was nach den über 800 vollbeschriebenen Wortspeichern im Gedächtnis bleibt, ist eine Handlung auf gewohnt hohem Niveau, das jedoch durch die gar so lange Länge gestreckt wird. Sollte ich Sternchen vom Amazon Himmel regnen lassen, so bleiben nach dem gutem Einstand von – sagen wir mal – 4,5 für den Nachfolger gerade 4 übrig. Abzug gibt es für die Teilung, die zu langen Ausschweifungen und das generell ansprechende und immer noch sehr gute Erzählepos, das Hr. Rothfuss zwischen die beiden Buchdeckeln raushaut. Manche der Wendungen sind vorhersehbar, andere wissen doch manchmal zu überraschen. Durch die detailreichere Schilderung von so manch Abenteuer unseres angehenden Zaubermeisters kann der Autor durch bessere Charakterzeichnung punkten, verliert aber im Gegenzug das augenzwinkernde Lächeln, das eine Schilderung mit weniger Worten über längere Zeiträume hinweg mit sich bringt. Ich erinnere hier gerne an meinen Favoriten in diesem Bereich: „Belgarath, der Zauberer“ von David und Leigh Eddings. Ähnlich wird dort das Heranwachsen eines Magiebegabten erzählt, der quasi als Jünger eines Gottes unsterblich durch die Lande zieht und so manch Folge seines Tuns nach Jahrhunderten als Konsequenz vor Augen geführt bekommt. Klar, Kvothe ist kein Götterjüngling und schon gar kein jahrhundertalter Gandalf, aber gerade im „Wind“-Teil hatte ich das Gefühl, hier Ähnlichem zu begegnen. Das ist jedoch verschwunden und ich ziehe daher den halben Stern ab, da ich es nicht mehr schaffe, das schelmische Funkeln aus den Augenwinkeln zu entdecken.

# Teil Zwei nach Eins

Der Abschluss erfüllt genau diese Aufgabe. Es ist der Abschluss des zweiten Tages und diese Endstimmung prägt das Buch von vorne bis hinten. In diesem Fall will ich nicht sagen, dass die Luft draussen ist, aber was mich am meisten beschäftigt, ist nicht die seitenlange Ausdünnung von nicht relevanten sondern ein paar logische Fehler, die Herr Rothfuss hier einbaut. Da stellt er uns ein Volk vor, unverstanden vom Rest der Welt, Krieger und Kriegerinnen, die keine Miene verziehen und mit Gesten und Händen sprechen. Toll! Endlich was völlig neues in dieser Welt und dieses kriegerische Volk hat eine ewig lange Tradition: Schwerter, die jahrtausende überstanden haben, eine philosophische Art, die an einen fernöstlichen Weg der Meditation erinnern. Ein Volk, von dem Rest der Welt, den wir kennenlernen durften, missverstanden und als Barbaren abgetan, als Krieger geschätzt und ansonsten verachtet. Nun darf also unser Held diese Menschen kennen lernen, ihre Kultur und ihre Andersartigkeit. Er kann sich verständigen aber nicht er kennt nicht die Feinheiten der Sprache, er kann die Übungen des waffenlosen Kampfes vorführen, verliert aber das Duell mit einem 8 jährigen Mädchen. So weit, so gut. Patrick Rothfuss bringt uns also ein Volk näher und macht es durch das Verständnis der fremden Sitten und deren Erklärungen sympathisch und naheliegend. In einigen Punkten bleibt die Distanz zum Rest der Welt erhalten: Musik ist zB unheimlich verpönt und wird als Prostitution angesehen. Das passt in das Bild, in den Rahmen und ist eine klare Erweiterung des Weltbildes in Reiche Rothfuss. Doch dann das: als Krieger sind sie berühmt und dadurch kennen sie auch alle Arten von Verwundungen. Sie haben Apotheken und Heiler, sie kennen also den menschlichen Körper. Und da sollen sie nicht den den Zusammenhang zwischen Sex und Babys auf die Reihe bekommen haben? Das ist extrem unglaubwürdig und tatsächlich hat es mich mehr beschäftigt, wie sich so ein Fehler einschleichen konnte, als wie die Geschichte weitergeht. Ein Volk, das seine Existenz dem Kriegerdasein verdankt, das kennt den Körper als verwundbare Stelle und erforscht ihn permanent. Damit müssten die medizinischen Kenntnisse weit über jeglichen anderen liegen, aber das tuen sie nicht. Mir hat es die Atmosphäre und die Glaubwürdigkeit dieser Welt genommen. Schade! Klar warte ich auf den dritten Tag, aber dieser Fauxpas hat die Vorfreude darauf erheblich gedämpft. Weiterer Punktverlust für „Die Furcht des Weisen, Teil 2“.

Advertisements

2 Gedanken zu “Die Furcht des Weisen in 2 Teilen

  1. hi spanksen!

    nein, bisher noch nicht. ist aber schon am wunschzettel auf amazon! bin schon gespannt, wie die ist. hast du sie schon gesehen?

    grüße
    h.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s