Der Aussteiger

Nach dem letzten Buch hier auf diesem Sender, dem Punk, der reicher als reich sein möchte und mit seinem Aston Martin von seinem Vater zum Psychotherapeuten geschickt wird, folgt das Gegenteil auf dem Fuss: Unter dem Titel „Die Kunst, frei zu sein“ schwadroniert der Autor Tom Hodgkinson vom Ausstieg und der Freiheit (Amazon Link).

Scheitert der Investment Mensch an den praktikablen Tipps, wie wir Otto Normalverbraucher an Reichtum kommen und wie es gelingen soll, Geld zu machen, so zerschellt auch die Kogge der Laissez-faire Gemeinschaft an den Klippen des Alltags. Klar sind die Gedankengänge durchaus zu gebrauchen, gerade um das eigene Verhalten (vor allem bezüglich unnötigen Kosum gegenüber) zu reviewen, aber vor allem die permanenten Ausflüge in die Historie sind so was von schwer daneben: wenn Tom Hodgkinson schreibt, wie gut es doch die Bauern im Mittelalter unter der Lehensherrschaft der Adeligen hatten, weil sie ja doch nur ein Zehent zahlten anstelle von 60% Steuersatz der Gegenwart, so kommt mir einfach nur „oh my god“ in den Sinn. Wenn er meint, dass die Adeligen ja ach so toll waren, da sie rein zur Unterstützung der Künstler dienten und die Leibeigenen zu tagelangen Festgelage luden, dann bin ich schon bei „so ein Schwachsinn“ angelangt.

Ja, mehr Radfahren (vor allem in einer Stadt) macht durchaus Sinn und schafft in einem gewissen Rahmen Unabhängigkeit. Aber sich Strafzettel einzufangen, nicht zu zahlen und dann zu mokieren, wie ungerecht die Welt nicht sein kann, ist kindisch, unreif und bringt niemanden einen Schritt weiter in seine persönliche Suche nach Freiheit. Keinen Fernseher zu haben und dafür (so kommt es mir zumindest im Buch vor) mehr als 50% aller Abende im Pub abzuhängen, mag Spass machen, aber macht mich das zu einem besseren Menschen?

Hodgkinson versäumt es nicht, seine Ideen mit Zitaten aus allen Zeitepochen und Geistesrichtungen zu untermauern und zu füttern – so halten der hl. Augustinus als auch die von ihm mitgegründete Webseite „The Idler“ die Fahnen der Geisteshaltung hoch: vergiss den Kapitalismus, mach was du willst und befreie dich von den Zwängen dieser Welt.

Eine kurze Anmerkung zu den Amazon Rezensionen, die sich über die Drogen aufregen, die im Buch Erwähnung finden: keep cool – ja, Tom hat ein gelassenes Verhältnis zu Drogen, aber er verherrlicht weder den Konsum, noch empfiehlt er Heroin-Junkie zu werden. Wenn du als Leser das nicht differenziert verträgst, dann lass die doch die Hände davon (und kauf dir NIEMALS Fear and Loathing in Las Vegas – nur so als Gratistipp).

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