Captain America

Sonntag Nachmittag – der erste Schneefall ist vorüber, der Matsch bildet sich auf den Strassen und die Terrasse ist angezuckert mit weißem gefrorenen Wasserkristallen. Was also tun in der warmen Stube? Klar – ein Film muss her. Passend zum medial omnipräsenten Wahlkampf der USA fällt mir Mr. Captain America in die Hände.

Erwartungen sind vorab definiert: US Patiotismus, Heldentum, Nazi-Sterben. Schon die unterlegte Melodie im Hauptmenü macht klar: genau das wird eintreffen – Fanfaren und Trompeten spucken große heroische Töne. Schon geht es los: der kleine, dürre Kerl, der da verdroschen wird, scheint der zünftig, künftige Held zu sein. Ohne vieler Worte (ich behaupte mal: ohne Ton) ist klar, dass derjenige, der ihm hilft, ist entweder sein Bruder oder bester Freund, der schon zum Heer darf, um in Europa die Nazis zu verhauen. Soweit so fein – auch das erste Frauengesicht, das die Totale füllen darf, ist nicht die Heroenmutter, sondern diejenige, in deren Armen sich der Capitano fallen lassen wird. Sozusagen die totale Herausforderung!

Dann geht es endlich los: Künftiger Held wird auserwählt, darf ob seines Patriotismus und Pfadfinder Mindsets beim geheimnisvollen Experiment teilnehmen, noch ein halbgarer Witz und schon gehts ab in die eiserne Jungfrau, aus der der verwandelte Superheld entsteigen wird – die letzte Hoffnung im hoffnungslosen Krieg. Damit nicht eine Armee an Capitanos entstehen kann, muss das Mastermind (nein, nicht der wahnsinnige Wissenschaftler – der darf auf der Gegenseite mitspielen) sterben. Klar, dass die Nazis schuld sind. Als Clown dann Showauftritte (he, irgendwo muss ja das Kostüm seinen Ursprung nehmen), dann Verzweiflung, suche nach dem Sinn und einer Bestätigung und ab gehts, den Freund aus Feindeshand zu befreien und das Herz der holden Maid zu erobern. Daneben sterben böse Nazis und technische Spielereien expodieren mit viel Gedöns.

Sonst was verpasst? Nicht wirklich. Aber was macht den Film zum Film (also bei dem Plot, muss es ja was anderes sein…)?

Gut, zurückspulen zum Beginn: tatsächlich hält sich das Skript an die ersten Geschichten von Captain America, der seine Ursprünge in der Propaganda im 2ten Weltkrieg hat und dessen Mission klar der Kampf gegen Hitlers Deutschland ist (wers nicht glauben mag, lese in der Wikipedia nach). Die Geburt des Helden ist zwar genre-typisch, aber nicht mehr oder weniger abgedreht als Spinnenbisse oder ein Fall aus den nordischen Himmeln von Asgard. Die Kulissen und Kostüme sind zeittypisch, wobei die technischen Spielerein der Böswichte einen klaren Hang zum Steampunk  erkennen lassen (zB zigarrenförmiges Auto mit vielen Düsen und ordentlich Wumms dahinter). Die Einbettung in das Marvel Universum gelingt im Vorbeigehen: Dr. Stark hilft der US Armee bei den Ausrüstungen und schlümpft  als Pilot ein paar Minuten unter die Fittiche der Hauptplot Kamera und chauffiert den Helden mitten ins Zentrum des Bösen.

Interessanterweise erinnert mich Captain America als Film mehr an Hellboy Movies als an Hulk oder Thor, obwohl er ja mit diesen Figuren im nächsten Sonntagsnachmittags-Action-Kracher-Film zusammentreffen wird. Liegt vielleicht an den Details und den Dialogen, die zumeinst ein Schmunzeln oder zumindest ein Augenzwinkern durchschimmern lassen. Auch scheint er mir von einem Waffenporno a la Ironman recht weit weg zu sein, denn vom geschichtlichen Kontext und dem Showauftritten in den Kostümen der Bühne findet sich visuell und dresscodehaft das eine oder andere Watchmen Zitat wieder, ohne dessen Ohnmächtigkeiten und Verblassung in den modernen Zeiten mitzubringen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s