Da kommt Bewegung rein

Regentropfen klatschen in mein Gesicht und vermischen sich mit dem Schweiss, der über meine Augenbrauen rinnt und mir Tränen zwischen die Lider zwingt. Mein linker Fuß klatscht in die Pfütze, das Baumwollshirt legt sich schwer auf meine Schultern. Ich keuche und eine Stimme neben mir meint: „Übertreib es nicht. Langsam angehen.“

Die Sonne brennt auf mein dunkles Haar. Ich setze mich auf und merke, dass mein Kreislauf w.o. gibt. Dunkle Flecken tanzen in meinem Sichtfeld, die Muskel im Oberschenkel brennen. Ich greife zur Wasserflasche, atme tief ein und aus und lasse mich auf der Matte für die nächste Übung nieder. „Die Liegestütz beginne am Besten auf allen Vieren. Vergiss nicht viel zu trinken, wenn die Sonne scheint“, kommen die Ratschläge heute bei mir an.

Dunkle Gestalten in der Dämmerung. Schwarz bekleidet, hoffe ich, dass die Reflektoren in den nahenden Scheinwerfern aufleuchten werden, wie Sonnen, die sich ihrem Ende nähern. Meine Beine hämmern in einem Stakkato auf den asphaltierten Boden und mir wird warm unter der Jacke, die ich trage. Ich vernehme die Worte „Hast du den Puls kontrolliert? Da vorne werden wir dann aufwärmen“.

Wieder ist es dunkel, doch der Schnee, der tagsüber aus den Wolken ausflockte, ist schon wieder verschwunden. Morgen wird es wohl Glatteis geben. Mein Atem, keuchend, bildet kleine Wölkchen vor meinem Gesicht. Als Kinder haben wir so das Rauchen gespielt, heute gilt meine Aufmerksam der Gleichmäßigkeit zwischen ein und aus. Schliesslich will ich ohne Seitenstechen ankommen. „Siehst du, dass gefällt mir an dir, du gehst die Dinge optimistisch an und probierst es einfach aus“, kommentierte Bewegungseinheit.

Seit gestern (omg, gestern ist schon über ein Monat her) sind sie nun Geschichte, die Trainingseinheiten mit meinem Personal Coach. Viermal haben wir uns getroffen, dreimal war es Laufen und einmal ein Kraftraining mit Anleitungen. Vier Abende, an denen ich mich und meinem Körper bewegt habe, als Kontrapunkt zu den vielen Stunden am Bürosessel vor dem Computer. Peter habe ich mitgenommen auf die Laufstrecken entlang des Flusses, durch den Park, am Schwimmbad vorbei. Am nächsten Tag fühlte ich die Auswirkungen, die Muskelkater, die Streckungen der Sehnen. Dennoch geht es mir gut, ich fühle mich erschöpft, aber fein. Da wirken auch die sieben Kilo weniger Körpergewicht mit. Reduziert – ja, Lebensqualität eingeschränkt – nein.

Hauptverantwortlich für diese Änderung sind zwei Faktoren. Einerseits das tolle Angebot mit dem Coach ein paar Stunden zu verbringen und andererseits das Ausprobieren von „Vegan for FIT – die 30 Tage Challenge“. Ich glaube, Peter war skeptisch, als wir in der ersten Stunde über Ziele gesprochen habe und ich meinte, na, so bis zu 10 kg weniger wär schon fein. Denn nur mit Bewegung diesen Gewichtsverlust über ein paar Monate zu erreichen, wäre wohl nicht möglich gewesen. Doch dann entdeckten wir das Buch und nach den vielen, vielen positiven Rezensionen und Feedback wars dann klar: Sind ja nur 30 Tage, das probieren wir aus.

30 Tage vegan zu leben, macht Attila Hildmann durchaus leicht. Denn die Rezepte sind einfach und sehen – im Gegensatz zu so vielen anderen Büchern, die sich mit gesunder Ernährung auseinandersetzten – toll und schmackhaft aus. Da können sich viele, viele andere eine Scheibe abschneiden. Ausserdem sind sie abwechslungsreich und schmecken gut. So gut, dass noch immer das eine oder andere Abendessen aus dem Buch auf dem Teller landet, sowie Kipferl und Croissant von Müsli und Crunchies, am Wochenende auch von Pancakes abgelöst wurden. Ich kann nur jedem raten, probier es aus! 30 Tage mal was anderes machen ist keine Hexerei und dann schau, wie du dich fühlst.

Genervt hat nur das Gefühl am Wochenende: dauernd am Einkaufen, waschen, schneiden, schälen, braten und dann wieder von vorne. Mit besserer Planung ist dies vielleicht einfacher, vielleicht auch nicht. Mal sehen, wie der zweite Versuch im Frühjahr mit frischem Gemüse wird.

Mittlerweile sind auch schon wieder ein paar Wochen ins Land gezogen – geändert hat sich kaum was. Das eine oder ander Kilo Gewicht hat sich wieder gemeldet (vor allem über Weihnachten) aber ich bin immer noch weit unter dem Startkampfgewicht. Der Frühling wird dann weisen, wie der zweite Versuch durchschlägt und ob das frische Grün das Lebensgefühl verbessert.

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