Vintage Boots

Vintage ist in, Vintage ist angesagt. Dabei geht es mehr um beständige Produkte als um wirklich altes Zeugs, das schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Aber siehe „Heritage Post“  – das Magazin für Herrenkultur aus Deutschland, das Vintage Themen behandelt und jede Menge Tipps, wo denn diese Produkte zu bekommen sind.

Wer weiterlesen will, bekommt meine eigenen Tipps und Eindrücke zum Schwerpunkt Schuhe. Wer keine Lust hat, lässt es einfach bleiben und schaut sich einfach mal in den Onlineshops von „Volls.de“ oder „Burg&Sschild“ an.

Der Allgegenwärtige

redwingsEs sind die Red Wing Schuhe, die in jedem dieser Vintage Stores angeboten werden. Das wohl nicht ohne Grund, denn Red Wing Shoes existiert in den USA bereits seit über 100 Jahren und seit einigen Jahren gibt es eine Heritage Serie, welche die alten Modelle wiederbelebt. Diese werden wie die meisten in den USA gefertigt und wie Doc Martens gehen die Ursprünge auf Arbeitsboots zurück. Daher kommt auch das Selbstverständnis, dass Red Wing Boots jahrlang halten sollen und auch unter unangenehmsten Umständen den Träger schützen.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Billig sind sie nicht, die Red Wings mit den weißen Korksohlen und den dicken Leder, das von gewachsten dicken Schnüren zusammengehalten werden: unter 260, 270 Euro ist kaum ein Paar zu bekommen. Und klar, am Anfang muss man sie eintragen, damit sie bequeme Begleiter durch den Alltag werden.

Der Engländer

docmartensSelbst in meiner Jugend – und ja, das ist doch auch schon ein paar Jahr her – waren es die exzentrischen Boots, deren Modelle oft mit „Löchern“ genannt werden, welche mehr als „in“ waren: Doc Martens. Der englische Klassiker mit und ohne Stahlkappe, als Halbschuh oder als Stiefel mit 18 Loch, bunte Modelle oder Zebrafell. Die Auswahl ist unglaublich und schier wahnsinnig und das beste ist: man bekommt sie fast überall. Damit steigen auch die Chancen im Abverkauf welche günstiger zu bekommen. Ursprünglich aus Deutschland stammend, haben sie auch eine „Made in England“ Serie, welche laut Homepage wieder (nachdem alle Fabriken anfangs der 2000er Jahre geschlossen wurden) in GB gefertigt werden.

Ach ja, die Martens – auch diese trägt man ein paar Wochen ein, bis sie sich „richtig“ anfühlen und die Vintage Modelle aus England sind deutlich teurer als die „normalen“ Schuhmodelle. Vorteile sind die riesige Auswahl und die vielen Shops im deutschsprachigem Raum, wo sich das perfekte Paar finden lassen wird.

Der Quereinsteiger

gea_waldviertlerUnd das im wahrsten Sinn des Wortes. Gegründet vom Heini sind die Waldviertler ein heimisches Produkt und als solches schon eine Seltenheit (wenn es nicht um Maßschuhe geht). Der Waldviertler besteht aus robustem Leder, einer klassischen und doch unverwechselbaren Form und die Farbvielfalt ändert sich mit jeder Saison. Sneakerähnliche Schuhe sind genauso im Programm vertreten, wie halbhohe Schnürer und gefütterte Winterschuhe.

Wie bei den Red Wings lassen sich Sohlen austauschen, Wartungen durchführen und selbst wenn das Leder am Anfang steif ist, wird ein Schuster Abhilfe schaffen. Auch der Dalai Lama trägt ein Paar und immer wieder lese ich von Menschen, welche tausende Kilometer in Waldviertler Schuhen gegangen sind. Auch ich habe ein paar Paar und was soll ich sagen: als Winterschuhe ziehe ich sie bei Schnee den Red Wings klar vor, denn gefüttert sorgen sie für wohlige Wärme den ganzen Tag lang.  Mittlerweile gibt es ein paar Shops auch in Deutschland – einfach mal vorbei schauen und vielleicht einen Gürtel mitnehmen. Denn besser das Geld für europäische Produkte ausgeben, als für Schuhe aus China, bei denen der Profit auf einem Off-Shore Konto irgendwo weltweit verschwindet.

Wenn dieser Beitrag gefällt, dann schreib ich noch über andere Vintage Dinge. Wenn nicht, auch gut 🙂

Update: Kurz nach dem Beitrag fand ich in der Brand Eins einen tollen Artikel über Heritage und die Kultur des Handwerk als Gegenpol zu den Massenwaren anhand des Beispiels von Trickers – Schuhe aus England seit 1829.

Ausserdem erwähnenswert: Red Wing Schuhe in Wien kaufen? Ich empfehle das Arnold’s im 7ten Bezirk – nettes Personal, unaufdringlich und angenehm. Wenn man schon dort ist – einfach mal umsehen, denn die Kleidungsstücke sind auch sehr, sehr fein.

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All or Nothing

Im Zuge von ACTA, SOAP etc. mehren sich die offenen Briefe der unterschiedlichen Gruppen und Interessensvertretungen zum Thema „Urheberrecht“ und Vermarktung von kreativen Inhalten im digitalen Umfeld. Grundsätzlich stehe ich auf dem Standpunkte, dass ich bezahle, was mir das Gekaufte wert ist. So lasse ich Filme und Spiele oftmals ein paar Monate links liegen, auch wenn ich mich bei der Release freue, um dann den Preis zu zahlen, den ich für ok erachte. Beispiel? „X Men – Erste Entscheidung“, von Kritikern und Publikum hochgelobt, die DVD um 20€? No way, schon wenige Wochen später um 15,- dann um 13,– und dann jetzt (nicht mal ein Jahr nach dem Kinostart) um 10,– – klarer Fall von Pflichtkauf.

Klar gibt es auch digitale Editionen (z.B. iTunes) aber tatsächlich ist mir der Kauf eines physischen Mediums lieber. Die DVD kann ich auch nach 3 Jahren nochmals ansehen, bei einem Stream ist diese Sicherheit nicht gegeben. Das ärgert mich, wenn ich eine Scheibe kaufe und dabei einen Code für einen Download oder Stream finde, denn dort findet sich bereits jetzt schon ein Ablaufdatum, ab wann der Inhalt (für den ich doch bezahlt habe) nicht mehr verfügbar sein wird. Dieses „Nutzungsrecht“ möchte ich gar nicht wahrnehmen. Genau aus diesem Grund besitze ich auch keinen Kindle oder ein ähnliches Gerät. Ein Buch auf Zeit zu kaufen und sich niemals sicher sein zu können, ob es morgen noch zum durchblättern zur Verfügung steht? Nein, danke – diese Revolution findet ohne mich statt. Umso mehr verwundert mich die Dreistigkeit von Händlern wie amazon.com diesen beschränkten Erwerb noch um teureres Geld anzubieten, als das gedruckte Werk.

Aus ähnlichen Gründen wie beschrieben, läuft auch auf meinem Rechner ein bittorrent Client. Spiele, die ich teilweise bereits 2 oder mehrmals gekauft habe (Originalspiel, Download Version und Heftbeigabe), funktionieren manchmal nicht mehr. Entweder die DVD ist abgängig (aber die Hülle mit Registrierungskey liegt vor) oder der Download ist nicht mehr (yahoo games, anyone?) oder die DVD wird vom Gerät nicht mehr erkannt (NfS Underground Teil 1). Da hilft dann ein beherzter Griff in die Untiefen des Netzes und meine „Privatkopie“ ist wieder hergestellt. Sorry, liebe Spieleindustrie, das kann gar nix. Plattformen wie „Steam“ machen das nicht unbedingt besser, denn bist du nicht online, kannst du nicht spielen (zumindest die Teile, die eine Verifizierung bei jedem Spielstart antriggern). Da bleib ich doch lieber bei der Unterstützung von Kickstarter Projekten, die einen digitalen oder physischen Zugang erlauben.

Ein weiterer Puzzlestein in den Mühlen der Contend Industrie Diskussionen sind die Filme und Übertragungen der Bezahlsender. Hier vermisse ich die Flexibilität und die Kundenfreundlichkeit, sich bestimmte Teile anzusehen und andere nicht. Sportpaket, Bundesliga Pakte und dann auch noch Kabelanschluss? Warum nicht einzelne Spiele oder einmal eine Konferenz der Premier League um1,99€? Warum nicht ein F1 Wochenendpass um 9,99€? Warum nicht ein [beliebiges Event einsetzen] um [angemessenen Betrag]? Wie es gehen kann, zeigen sport1.de oder auch Vermarktungsgesellschaften wie nfl.com oder motorgp.com (wobei bei letzteren auch wieder nur Pakete zu erwerben sind, bei sport1.de gab es die Rugby WM Spiel für Spiel). Oder sogar FreeStreams ala laola1.at, die die spanische Liga zeigen. Einfach so – ohne tausend WerbePopUps für semi-legale Kontaktbörsen. Das ist das, was ich mir wünsche. Hab ich ein freies Wochenende und ein Kracher wie BVB vs. Bayern München steht an, braucht es eine Plattform für den Stream, eine Abrechnung via amazon check out und erledigt. Kein Thema. Da bezahl ich doch gerne, weil ich dieser Unterhaltung Wert bei messe und nicht Spielfilme bekommen, die mir am Allerwertesten vorbei gehen.

Also liebe Content Menschen… macht was. Die Zukunft wird nicht auf euch warten, sie ist schon da. Nämlich in Form von Alternativen, die sich nicht eurer Kontrolle unterziehen und die sich selbst mit schlechter Qualität und nervigen Addons ins Aus stellen. Doch wenn ihr als Rechte Inhaber nicht bald auf diese Angebote reagiert, wird das jemand anderer machen. Und dann gibt es einen dominaten Anbieter wie iTunes, der euch die Regeln vorschreiben wird, wieviel vom Kuchen für euch übrig bleibt.

Wortspenden der Woche

Nach einem Interview mit Professor Knie  verwenden 40% der Bevölkerung in Wien die öffentlichen Verkehrsmittel. Das ist mehr als in Berlin oder Rom. Dafür punktet Berlin mit FahrradfahrerInnen und Rom, nun ja, Italien eben mit – ich würd mal meinen – Motorrollern. Klischee, ich hör dich tapsen. Da in der österreichischen Hauptstadt die Anbindungen per Bus, Bim und U-Bahn tatsächlich hervorragend sind, nutze auch ich das Angebot für tägliche Fahrten zur Arbeitsstelle und wieder nach Hause. Doch was ich diese Woche so an Wortspenden an öffentlichen Plätzen hörte, ist in der Häufung tatsächlich bemerkenswert.

Schauplatz #1 – die Bim (Straßenbahn).

Ein paar Stationen vor meiner Haltestelle nimmt eine etwas ältere Frau neben mir Platz und ihr Mann steht neben ihr im Gang. Das Alter der beiden liegt geschätzterweise zwischen 55 und 60 Jahre, beide dick vermummt ob der winterlichen Kälte zu Wochenbeginn. Sie plaudern über irgendwas, ich lese mein Buch. Rechtzeitig klappe ich es zu, verstaue es in meiner Tasche. Dabei bekomme ich mit, wie ER sich darüber aufregt, dass die Bim nicht weiterfährt. Der Grund war offensichtlich und Er erkannte ihn auch recht schnell: Linksabbieger auf den Gleisen (da dürfen die das) sind vom Gegenverkehr eingebremst und verstellen die freie Sicht auf die nächste Strassenbahnstation. ER beginnt zu schimpfen, welche Idioten da mit dem Auto die Bim aufhalten. Soweit eigentlich recht normal. Beim Aussteigen höre ich dann aber einen Satz wie „Na, wenn ich für Mittelalter oder Western was mit Leder brauche, dann frage ich bei XYZ und ZYX nach, die haben ja beiden einen Job.“ Was mich hier stutzen und nachdenklich zurück ließ. Er sagte das mit dem Job, als wäre es mittlerweile bewundernswert und aussergewöhnlich, wenn zwei Personen (scheinbar ein Pärchen) eine Arbeitsstelle haben. Ist es denn schon so weit, dass ein Job ein Jackpot ist? Aus seinem Munde klang es, als wären 80% der Bevölkerung arbeitslos und die Elite würde ein Einkommen erarbeiten. Vielleicht ist das auch das Umfeld, in dem sich ER befindet, aber das wäre wirklich traurig, in einem der reichsten Länder der Welt mit einer unterdurchschnittlichen Arbeitslosenquote.  Wahnsinn.

Schauplatz #2 – die S-Bahn.

Ich nehme die S-Bahn von Rennweg zum Praterstern, zwei Knoten im öffentlichen Verkehrsnetz. Vor allem der Praterstern ist ein Wiener Bahnhof mit mehreren Gleisen, zwei U-Bahnen, einigen Bim Linien und Buslinien, die sich hier kreuzen. Also jede Menge Menschen, die hier täglich um- und aussteigen. Ich sitze also in der Linie S1 und bei der Station Wien Mitte steigen 2 Schüler ein und stehen bei den Türen vor meinem Platz. Vom Alter her würde ich mal zwischen 10 und 12 Lenze sagen, wobei das natürlich völlig daneben sein könnte. Beide mit Snowboard Jacken, Jeans und Rucksack, offensichtlich kommend von einer Schule. Sagt plötzlich der eine zum anderen „Beim Praterstern bekommen wir einen Sitzplatz, da steigen die soziale Unterschicht aus.“ Ich dachte zunächst ich höre nicht richtig. So ein kleines arrogantes … In diesem Alter hätte ich keinerlei Bezug zur Selbsteinstufung in sozialen Schichten geschafft. Dann aber überlegte ich: der Junge könnte vom Alter her mein Sohn sein. Woher kommt diese schiere Arroganz? Wird das von den Eltern vermittelt? Von Lehrern offen ausgesprochen, wenn finanziell schwächere Mitschüler in Schubladen gesteckt werden? Also woher kommen solche Gedanken – vor allem die Respektlosigkeit, das so auszusprechen. In öffentlichen Räumen Fahrgäste so pauschal zu verurteilen. Wahnsinn.

Schauplatz #3 – DVD Abteilung Müller

Schon beim Eintreffen in der DVD Abteilung der Müller Filiale, fiel mir die großgewachsene junge Frau auf, die bei den KinderDVDs „Mein kleines Pony“ sucht. Schwarz gekleidet, mit hohen Schuhen, blonden Haaren, einem hübschen Gesicht und einem eigenartigen Kerl in der Nähe. Wirklich steil wurde es ein paar Minuten später als ich gerade eine DVD in der Hand halte und den Klappentext lese. Es erklingt die Stimme von dem Kerl der sinngemäß sagt: „He Schatz, wo bist du. Komm gefälligst her, stell dich da neben mich hin, lächle und sieh einfach gut aus, denn dann sehe ich auch gut aus. Du liebst mich doch, oder?“ Vom Tonfall her, erinnerte es mich eher an meinen Grundwehrdienst beim Heer und die Absicht, sie öffentlich zu demütigen war unüberhörbar, denn er achtete schon darauf, a) laut zu sprechen und b) genügend Zuhörer zu haben. Was macht nun diese hübsche junge Dame? Sie kommt tatsächlich daher, schaut etwas schuldig und tut genau das, was der Kerl so unverschämt in aller Öffentlichkeit verlangt. Meiner Ansicht nach, wäre jede Intervention vergebene Liebesmüh gewesen, da sie keinerlei Anstalten machte, das Ganze ungewöhnlich oder gar unmöglich zu finden. Wahnsinn.

Zukunft des Geldes

Herr Dr. Franz Hörmann war einer meiner Lektoren auf der Fachhochschule für Wissensmanagement und hat im letzten Jahr mit seinem Buch und den damit einhergehenden Medienberichten für Aufmerksamkeit gesorgt. Er vertritt die These, dass noch in diesem Jahr das Geld seine Bedeutung verlieren wird.

Provokant? Sicherlich. Zutreffend? Vielleicht. Ganz neues Konzept? Eher nein.

Es ist natürlich eine Utopie, die er beschreibt, aber eine Idee die durchaus Zukunft haben könnte. Hr. Hörmann vertritt dabei seine Ansichten geduldig und gelassen, denn er ist überzeugt, dass das Konzept verwirklicht wird.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es ist zumindest eine Zukunft, die lebenswert zu sein scheint. Dabei verleugnet er jedoch nach meiner Ansicht menschliche Eigenschaften wie Gier, Neid und aggressive Dominanz. Geht es bei seinem Konzept doch eher um eine Utopie, die jedem die selbe Chancen einräumt. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass Menschen ihre Denkweisen durch-/unterbrechen und ein gemeinsames Ziel haben. Genau diese Voraussetzung ist vermutlich der Stolperstein für die Umsetzung, da eine globale Änderung der Denkmuster – provokant gesagt – unmöglich ist.

Ein solches Ziel hat in den letzten Jahrhunderten zu Kriegen geführt, ob mit Millionen Toten oder „nur“ kalt mit Milliarden an Geldwerten, es sind Opfer, die weder damals notwendig waren noch heute nötig sein müssen.

Wer mehr zu den Thesen von Dr. Hörmann wissen will, lese hier nach oder verfolge das Interview auf youtube:

Kritik am Geldsystem im onlinestandard [link] mit Gegenkritik von Krisenfry [link]

Buchbesprechung im onlinestandard [link]

Video:

Projektmanagementsünde 10 – Ressourcen

Zunächst haben aufmerksame Besucher bereits gesehen, dass ich die Titel dieser Serie geändert habe. Nach dem grauenhaften und sinnlosen  Morden in Norwegen, wurde mir wieder bewußt, wie schnell wir mit den Worten „Tod“, „Hass“ und ähnlichem zur Stelle sind, diese Worte aber durch die Realität ganz andere, tiefere Bedeutungen bekommen können.

Zurück zum Thema. Das letzte dieser Reihe sind die Ressourcen:

Ach vergiss es… immer zu wenig, immer zu knapp. Wenn nicht, hast du was falsch gemacht. Siehe Punkte Finanzen, Umsetzung, Delivery Streams, Management.

Es ist ein Teil des natürlichen Wesens von Projekten, dass hier immer eine Knappheit von Ressourcen besteht. Diese Knappheit bedingt die extreme Fokussierung auf ein Projektziel und die Konzentration aller Kräfte auf die Erreichung desselben. Soweit die guten Seiten der begrenzten Mittel.  Dumm gelaufen ist das ganze nur, wenn es kein einheitliches Ziel, keine einheitliche Linie im Managment und keine Unterstützung aus den Abteilungen gibt (die vermutlich selbst extrem in ihren Zielen und Ressourcen eingeschränkt sind).

Nimmt man alle Punkte zusammen, die sich in der Reihe der Projektsünden ergeben, fügt sich ein wunderbares Bild zusammen, wie ein Projektleiter zu schlaflosen Nächten kommt. Wenn dazu noch eine Prise Perfektionismus und Erfolgsdruck dazukommen, ist der Schlammassel angerichtet.

Interessanterweise kann es noch besser kommen. Nämlich, wenn der Projektleiter ausserstande ist zu kommunizieren. Klingt ein wenig komisch, aber Menschen, die weder andere grüßen, noch nach Monaten die Namen ihrer Projektmitabeiterinnen kennen, die direkt neben ihnen sitzten, tuen sich schwer, das Projekt zu vertreten. Sogar noch einen Schritt weiter wage ich zu behaupten, sie tuen sich schwer, das Projekt zu verstehen. Damit ist das Disaster bereits vorgezeichnet.

Ist es wirklich so schlimm? Nun nicht ganz, aber nur durch Erfahrung und persönlichen Einsatz schafft man den Weg zum Projektsamurai [link zum artikel der informationsarchitekten] – ein Begriff, der mir durch die Bedeutung des Samurai in der historischen Gesellschaft gefällt: Ehre und Kampf. So kann Projektarbeit wieder Spaß machen.

Projektmangementsünde 9 – Management

Heute geht es weniger um die Tätigkeit des Managements als vielmehr um die Unterstützung des Managements bei einem Projekt. Nachdem sich Projekte in anderen Größenordnungen abspielen als tägliche Änderungen und Implementierungen, haben sie auch die Aufmerksamkeit der Führungsebene. Dabei spielt vor allem der Lenkungsausschuss eine große Rolle, der das Projekt begleiten, lenken und die Rahmenbedigungen scahffen soll. Hier geht es natürlich auch um Entscheidungen, die auf einer Eskalationsebene zu fällen sind.

Natürlich hat dir das Management sämtliche Unterstützung für das Projekt zugesagt. Natürlich bekommst du sie nicht. Erstens kannst du die nicht konkret genug in der richtigen Sprache formulieren (vor allem, wenn du den Punkte Struktur nicht eingehalten hast) und zweites stell dir selber mal die Frage: warum sollte ich als Führungskraft eine Entscheidung treffen, wenn der Projektleiter sie selbst treffen kann – immerhin ist er dann am Ende Schuld. Wenn alles gut geht, war natürlich jede einzelne Führungskraft mit Rat und Tat dabei. Wenn nicht, du weißt, welcher Kopf am Ende rollt.

So oder ähnlich passiert es wohl immer wieder. Vor allem, wenn der Projektleiter keine oder kaum Unterstützung aus der eigenen Abteilung hat, geschweige denn von den Fachbereichen, die sich über ihre Projektziele nicht einig sind. Diese Punkte wurden ja schon behandelt.

Dennoch überrascht es immer wieder, wie schnell ein  Projekt und damit auch dessen Leiter zum Spielball in einem Management Meeting werden kann. Da wird in Detailfragen nachgebohrt bis zum kleinsten gespaltenen Atom und in großen strategischen Überlegungen die Verantwortung auf den Projektleiter geschoben. Hält wunderbar ein paar Nächte lang an und denjenigen wach, der irgendwann mal „ja“ zu diesem Wahnsinn gesagt hat.

Projektmanagementsünde 8 – Persönliches

Das Problem mit der Persönlichkeit eines Projektes erwächst nicht selten aus der Motivation heraus: ist diese von ureigensten Zielen und Antrieben definiert, ist es unmöglich, das Projektgeschehen nicht persönlich zu nehmen.

Niemals etwas persönlich nehmen – zumindest wird dir das immer wieder gesagt. Aber jede Kritik wirst du als Projektheini abbekommen, und das nicht zu knapp. Auch die Richtung von nützlichen und schwachsinnigen Kommentaren ist nicht vorher sehbar. Sei dir sicher, sie kommen von überall – denn jeder weiß schließlich am Besten, wie dieses Projekt zu machen ist (vgl. Motivation).

Gemeinsam mit den anderen Todsünden in dieser Sendereihe ist diese hier diejenige, die dir als Projektleiter den meisten Schlaf rauben wird. Das Projekt ist „dein Projekt“ und wenn es dem Projekt gut geht, geht es auch dir gut. Schlimmerweise laufen lt. dem Chaos Report [link wikipedia] nicht mal 20% aller Projekte gut ab – ich kenne die Kritiken am Chaos Report, aber dennoch ist das immer wieder ein guter Orientierungspunkt.

Wenn wir den Wikipedia Artikel betrachten, dann finden wir unter den Erfolgsfaktoren  folgenden Eintrag:

Die festgestellten Haupterfolgsfaktoren sind:

  1. Einbindung der Endbenutzer
  2. Unterstützung durch das obere Management
  3. Klare Anforderungen

Die Hauptpunkte, die zum Scheitern der Projekte führen sind:

  1. fehlende Zuarbeit durch Benutzer
  2. unvollständige/unklare Anforderungen
  3. häufige Anforderungsänderungen

Siehe da, nicht besonders überraschend für mich, passen diese auf die Liste bei mir: Deadlines, Kommunikation, Anforderungen usw. finden sich bereits in der Aufstellung und zwei weitere kommen noch.

Zurück zur Persönlichkeit – sollte demnach ein Projekt keinen persönlichen Stil, keine individuelle Prägung erkennen lassen und nur aus Distanz mit Zahlen und Daten geführt werden? Meiner Meinung nach nicht, aber es muss von Beginn an klar sein, dass eine berufliche Rolle eine solche ist. Darauf sollte jeder im Projektumfeld eingestellt sein und eine Vorbereitung zu diesem ist Zeit, die nicht verschwendet ist.